Reinickendorf
Reinickendorf, Montag, den 8. Juni 2021
Ach Reinickendorf, du hast uns die Arbeit nicht einfach gemacht!
Höchst motiviert kommen wir am U Bahnhof Residenzstraße an und treffen auch direkt auf zwei sympathische Studenten, die wir nach Orten der Jugend fragen. Sie beide schicken uns eine Station weiter zum Franz-Neumann Platz, doch warnen uns schon mal vor, dass es schwierig werden könnte auf viele Jugendliche zu treffen.
Tatsächlich ist Reinickendorf kein einfaches Pflaster. Zu Beginn schauen wir uns am Schäfersee um, doch anstelle von picknickenden Jugendlichen treffen wir auf Eis essende Rentner:innen. Also zurück zur großen langen Residenzstraße. Hier sind die Menschen unterwegs, alle scheinen ein Ziel zu haben, entspannt flaniert hier niemand. Zwar passiert hier auf dieser vierspurigen Straße inklusive begrünten Mittelstreifen konstant irgendetwas, doch ein Miteinander der Fußgänger:innen können wir in den folgenden zwei Stunden nicht beobachten.
Auf zwei Pollern sitzend haben wir alle Vorbeilaufenden gut im Blick. Unsere Scheu, Menschen anzusprechen haben wir in den letzten Wochen mehr und mehr ablegen können, daher ist das das kleinste Problem des heutigen Tages. Viel mehr Probleme haben wir damit, die Menschen zum Stehenbleiben und Zuhören zu bringen, ganz geschweige davon, sie zum Foto zu überreden.
Ganze zwei Personen finden wir schließlich für ein drei Minuten langes Interview und keine einzige Person zum Fotografieren. Das hätten wir nicht gedacht, doch die Menschen, die wir antreffen, scheinen Besseres zu tun zu haben und haben oft auch das Selbstbewusstsein uns ins Gesicht zu sagen, dass sie wirklich gar keinen Bock haben. Mal wieder eine interessante Erfahrung. Wir nehmen uns nächstes Mal vor in Reinickendorf mit den älteren Menschen zu sprechen, da sie es sind, die wir fröhlich plaudernd auf den Bänken am Straßenrand antreffen und sie sind es, die scheinbar Lust und Zeit hätten auf einen kurzen Austausch mit völlig Fremden.


