Wittenau

 

Wittenau, Samstag, den 29. Mai 2021 

Immer weiter weg von unserem gewohnten Umfeld tuckern wir mit der U8 an einem Samstag im Mai Richtung Norden bis zur Endstation Wittenau. Für uns bis dato unbekanntes Terrain. Vom U-Bahnhof Wittenau laufen wir Richtung Märkisches Viertel, da sich dort ein Einkaufszentrum befindet und dementsprechend hoffentlich sich auch viele junge Menschen aufhalten.

Schon beim Näherkommen sehen wir, dass wir nicht die einzigen sind, die es sich an diesem sonnigen Tag zur Aufgabe gemacht haben, fremde Menschen „anzuquatschen“. Zum einem sind da die Vertreter:innen vom uns bekannten Volksentscheid „Deutsche Wohnen enteignen“, zum anderem die älteren Herrschaften von der uns unbekannten Partei „Die Grauen“. Eine interessante Mischung. Beide wollen Unterschriften sammeln und gehen wohl davon aus, hier auf Menschen ihrer Zielgruppen zu treffen. Tatsächlich passen sie da ganz gut nach Wittenau, denn hier wohnen viele ältere Menschen sowie viele von den steigenden Mieten Betroffene.

Wir lassen uns auf einer Bank an einem Platz mit Springbrunnen nieder. Neben uns ein Nachbarschaftstreff mit Fokus auf Rentner:innen, der an diesem Tag allerdings geschlossen hat. Außerdem neben uns eine mobile Corona Teststation. Wir haben direkten Blick auf das „Märkische Zentrum“ (Einkaufszentrum) und die daraus kommenden Menschen.

Das erste Mädchen, dass wir recht bald ansprechen, wird an diesem Tag auch lange das einzige sein, dass wir fürs Fotografieren begeistern können. Als wir im Wedding noch dachten, die Menschen seien dort kamerascheu wie sonst nirgendwo, waren wir noch nicht in Wittenau gewesen!
Oft scheinen die jungen Menschen eingeschüchtert von unserer Leinwand zu sein oder wenn wir die Wörter „Website“ und Veröffentlichung benutzen kommt es vielen zu offiziell rüber und machen nach anfänglicher Neugier doch schnell einen Rückzieher.

Wenn es keine Fotos werden, dann sollen es eben die Gespräche sein, die in Erinnerung bleiben.

Wir treffen z.B. auf zwei Anfang zwanzigjährige Boys die uns erklären, was in MV (kurz für Märkisches Viertel, wird von den dort Lebenden als Abkürzung benutzt) abgeht. Wir sollen u.a. nicht diese eine bestimmte Straße weiter gehen, da es dort gefährlich werden könnte, höchstens in Begleitung von zwei starken Männern. So, so, denken wir uns, Macho Gehabe vom feinsten.

Die Menschen hier freuen sich auch angesprochen zu werden und sagen, dass sonst nicht so viele Menschen aus dem Inneren Berlins zu ihnen nach oben in den Norden kommen. Sie leben, wie doch eigentlich alle anderen auch, in ihrer eigenen Blase.

Am Ende des Tages sind wir wieder völlig fertig von neuen Eindrücken und Gesprächen. Es wird uns einmal mehr klar, wie viele unterschiedliche Ecken Berlin hat und wie wenig wir doch über unsere Stadt mit all ihren Facetten letztendlich wissen.

 Diese junge Frau spricht mit uns sehr offen über ihre Erfahrungen im Märkischen Viertel / Wittenau.

 

Die lustigen Zwillinge sind mit einer großen Gruppe junger Menschen vor dem Einkaufszentrum, vor dem wir auch die Fotos machten, unterwegs. Sie und wir sind auch live dabei als plötzlich die Polizei ankommt, um einen Streit anderer Jugendlicher zu schlichten.

Zwei junge Männer, mit denen wir sprechen, wollten sich leider nicht fotografieren lassen. Doch das Gespräch mit ihnen ist so interessant, dass wir finden, es hat auf der Website einen Platz verdient….